Haus-Heim-Hof

Scheibler’s Kochbuch A.D.1900

Heute ist ein neues Kochbuch bei uns eingetrullert.
Concierge hat’s wieder mal besorgt und mir hat er’s auch gleich vererbt (“auf’s Auge gedrückt” bezeichne ich so etwas), weil Eugenie schon Scheibler’s Kochbuch 1832 zu bearbeiten hat.
Ich hätte ja noch Zeit.
Richtig ausgedrückt, heute ist ein Kochbuch eingetroffen, dem Alter, Lebenslauf, Karriere, Arbeitseinsatz schon von außen anzusehen sind. Was aber unbezahlbar ist und was so einem uralten Kochbuch bei uns richtig Ansehen einbringt, das sind die inneren Gebrauchsspuren.

Ich glaube, Fachleute in den Antiquariaten nennen so etwas Abrieb und so.
Dem Buch von heute hing sozusagen “die Zunge raus”. Der Rückeneinband hielt quasi am seidenen Faden und es rieselte überall Papierstaub heraus. Aber das kennen wir ja.
Und dieses Kochbuch der guten Scheibler strotzt regelrecht von Spuren der Gebrauchs, für welchen die gute Sophie Wilhelmine es sich wohl Anfang 1800 ff so vorgestellt hatte, als sie sich mit dem Zusammentragen ihrer unglaublichen Rezeptsammlung herumschlug.
Ich bin sicher, in der guten alten Zeit hat die Hausherrin ebenso wenig auf den prächtigen Erhalt eines Kochbuchs geachtet wie das Gesinde oder die in besseren Haushalten angestellte Kochmamsell.
Unser heutiger Neuzugang ist wahrlich excellent ramponiert und randvoll mit Gebrauchsbeweisen. Fettflecke, Einrisse, uralte Eselsohren, die Seiten 450/451 fehlen, dem Inhaltsverzeichnis ist 1/4 der Seite 559/560 abhanden gekommen und vielen Seiten fehlen unten rechts die Ecken (sind regelrecht abgerundet), sind definitiv beim Durchblättern und raus aus dem Regal, rein ins Regal im Laufe der Jahrzehnte auf der Stecke geblieben.

Genau das sind die Kochbücher, die wir so ungemein schätzen und wirklich lieben.
Kochbücher, die ausatmen, dass sie das ertragen haben, wozu sie gedruckt und gekauft wurden.
Wir richten sie her und helfen ihnen wieder auf die Beine,  geben ihnen einen Schutzumschlag, einen festen Platz im Bücherregal und behandeln sie mit der Anerkennung, die sich sich redlich verdient haben.
Wir sind merkwürdig?
Ja, das stimmt!

Eure Ella

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