Haus-Heim-Hof

Sandige Gartenerde durch Woll- / Kleidungsreste aufboosten

Homey‘s beste und meine gute Freundin Lydia hat ihr Domizil in der Uckermark aufgeschlagen und dort ihren Lebensmittelpunkt gefunden. Ein gepflegter Restbauernhof mit reichlich ausreichend Grundstück und mir als Städter sehr weitläufig anmutendem Gemüse- / Nutzgarten, mit genügend Platz für alle Arten Unkraut, haben ihr ganzes Herz gewonnen.

W. Hieroldt schreibt in seiner Abhandlung „Die Böden Brandenburgs im Überblick“ über die dortigen Bodenverhältnisse: Flächig dominieren Böden aus Sanden und Lehmsanden (D-Standorte), die vor allem durch Eisvorstöße des Brandenburger und Pommerschem Stadiums der Weichselkaltzeit abgelagert wurden.“
Man könnte aber auch sagen, dass hier der Sand liegt, der Sylt fehlt. Wasser versickert im Nu.
Sahara des Nordens.

Lydia hat in ihre Oase bereits einige Tonnen Torf anfahren lassen und hat ihn eigenhändig als „Wasserspeicher“ in den Gartenboden eingearbeitet. Sie hat ebenso viel Holzhäcksel, Rindenmulch und Stroh aufgelegt, um den Boden vor dem allzu schnellen Austrocknen zu bewahren.

Alles hilft ein wenig.

Jetzt hat sie ein neues Wundermittel gefunden: Alte Textilien aus Baumwolle und Reste der Schafschur, Schurwolle direkt vom Schäfer.
Das prümmelt sie auseinander und reißt es in kleine Stücke.
Sie meint, das wäre eine ideale Arbeit an langen Winterabenden.
Na ja ! Mir kommt das etwas komisch vor. Scheinbar legen sich die Landschaft und ihre Einsamkeit auf ihr Gemüt.
Diese keinen Fitzelchen – sie wirft kein Tuch mehr weg und hat davon einen beachtlichen Haufen angesammelt – buddelt sie im Frühjahr unter; beim Umgraben, wenn der Boden frostfrei ist.

Der Erfolg scheint ihr wirklich Recht zu geben.
Der Obst- und Gemüsegarten ist ihr wahrlich hervorragend gelungen.
Ich kenne die einsame, damals verwaiste und ungepflegte Immobilie aus der Zeit, als sie diese vor 5 bis 6 Jahren übernahm.
Ich hatte, als sie mir mit strahlenden Augen von ihrem Kauf berichtete, ganz ehrlich den Eindruck, sie hätte sich irgendwo zu heftig gestoßen, dass sie sich so etwa zumutete.

Arbeit steckt in ihrem Projekt auf jeden Fall drin. Auch das kann ich bestätigen.
Zwei Männer hat sie in dieser Zeit bereits verbraucht. Beide haben festgestellt, dass sie erst nach dem Garten rangieren und haben aufgegeben, darauf zu warten, dass dieser Zeitpunkt irgendwann einmal eintritt. Ein dritter Mann lässt sich gar nicht mehr nicht blicken.
Das liegt vielleicht aber auch dran, dass Lydia schon etwas altbäuerliche Angewohnheiten angenommen hat. Sie unterlässt immer häufiger das Schminken und findet Gefallen am natürlichen Look. Wer‘s so mag. Bislang hat sich aber nicht einmal ein Nachbar zu ihr hingezogen gefühlt. So ist mein Gefühl.
Ganz bio sollte eine Lebenspartnerin vielleicht nicht sein.
Sie ist hübsch, sehr sogar, aber das Outfit wird von Jahr zu Jahr altbäuerlicher.
Sie hat studiert und promoviert, ist Physikerin und nicht nur klug, auch schlau und schlagfertig. Aber das ist offenbar auch nicht zwingend ein Grund, warum ein Landwirt und Naturliebhaber aus er Gegend sie besonders anziehend findet.

Aber sie lässt sich nicht unterkriegen.
Das mit den lütten Kleiderfetzen und der Wolle in der Gartenerde finde ich auf jeden Fall richtig großartig. An den luftigen Schal, den sie unters Kinn und über den Sommerhut gebunden hat, damit der nicht fortfliegt, muss ich mich noch gewöhnen.

Irgendwie hat sie so etwas von Audrey Hepburn, einen Hauch vom Imkern und …… auf jeden Fall etwas Altbäuerliches. Aber wenn sie ungeschminkt, mit zusammengekniffenen Augen und dadurch etwas verzogenem Mund in die Sonne blinzelt, sieht das alles total idyllisch aus. Und stolz !

Parchimer Käthchen

1 KommentarSchreiben Sie Ihre Meinung

  • Habe ich auch schon einmal gehört. Aber es gibt auch die Ansicht, dass Schafswolle keine Nässe halten könne. Auch dann nicht, wenn sie ungewaschen in die Erde eingebracht wurde. Bin kein Schäfer und weiß es nicht zu beurteilen.
    Das mit den Woll-Lappen oder Putzlumpen finde ich echt interessant.
    Es gibt Putzlumpen in Ballen von 1/2 Zentner im Internet zu kaufen. Die Preise liegen zwischen 1,50 bis 2,50 Euro/kg  und je nach Preis ist der Anteil an Baumwollstoffen höher oder geringer.
    Daraus könnte man reichlich Stofffetzen herstellen.

    Vielleicht folgt jemand Lydias Tipp und berichtet, wie es bei ihm funktioniert hat.

    Nicht vergessen möchte ich einen Gruß an Lydia auszurichten: Lydia, sei froh, dass Du in diesen Zeiten keine Familie um Dich hast. Genieß Dein freies, ungebundenes Leben. Du weißt doch selbst am besten, was gut für Dich ist. Die Werbung behauptet es zumindest. Würde Dir gern einmal Hilfe schicken. Nicht “Frauentausch”. Ich denke an “Kinderverschickung”. So für ein Vierteljahr !? Kinder können gut Wollstoffe zerstören und in klitzkleine Stoffteilchen zerlegen. Glaube es mir. Ich weiß, wovon ich schreibe.
    Bei Interesse hier melden.
    Deine ausgepowerte Jule.

Schreiben Sie bitte Ihre Meinung hierzu

Your email address will not be published. Required fields are marked *