Haus-Heim-Hof

Obstwein zu machen [ca.1830]

Im Gewölbekeller unseres Hauses, welches der Familie seit Menschengedenken eigen ist, habe ich eine Steige mit Hinterlassenschaften meines Opas und seiner Eltern und Voreltern gefunden. Darunter auch “Recepte”. Richtig alt. So sieht das alles auch aus und staubig es auch auch.

Es ist mir irgendwie heilig. Gehört es doch zur Geschichte unserer Familie.
Wir sind Landwirte. Keine Winzer.

Offenbar mochte einer unserer Altvorderen kein Obst, quetschte es lieber aus und produzierte stattdessen Wein. Faßringe gibt es im Schober auch noch zu finden. Vielleicht hat der Urahn hier das Obst verarbeitet. Unser Obstgarten ist gewaltig. Basisstoffe hab es wohl ausreichend.

Habe euch das “Recept” einmal abgeschrieben. Ein Foto geht wegen einiger privater Randnotizen nicht und es ist auch recht undeutlich zu erkennen.

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Obstwein zu machen

Man sammle fast zeitige süße Birnen, Aepfel und Zwetschgen in einen reinen Zuber, stoße sie klein, gieße halb so viel frisches Wasser darüber, als das Obst ist, lasse es einen Tag zugedeckt an einem kühlen Platze stehen, presse es dann aus, fülle es in Fässer, aber nicht ganz voll, lasse den oberen Spund offen und den Wein gut vergähren, welches gewöhnlich binnen 4 – 5 Tagen geschieht. Man kennt dies, wenn er keine Unreinigkeit mehr auswirft. Dann schlage man den Spund gut zu, und lasse in also auf dem sogenannten Geläger oder der Mutter liegen, je länger er liegt, desto besser wird er. Um ihn zu probiren, bohre man ein kleines Löchelchen in das Faß und ziehe mit einem Strohhalm einige Tropfen Wein heraus. Wenn er Weingeist hat; so kann man ihn in Flaschen oder Bouteillen abziehen, sonst aber muß man ihn noch länger in Fässern liegen lassen und das Löchelchen gut vermachen. Wie gesagt: hier wird er je länger je besser, nicht aber in den Bouteillen. Die in der Preß zurückgebliebene Treber, d.i. zerstossenes Obst, benützt man zum Branntweinbrennen. NB. Besser wird der Wein, wenn kein Wasser hinzu gegossen wird.

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Darunter ist noch einiges unleserlich hingekritzelt. Es ist ganz sicher Schrift, aber nicht lesbar. Den Wortlaut müsste sicherlich das CSI Bayern identifizieren. Ich kann das nicht. Habe es mehrmals versucht.

Mein Vater sagt, das “Recept” sei sicher so um das Jahr 1830 herum entstanden. Er bezieht sich auf andere Notizen aus dieser Zeit. Zum Beispiel Erlaubnisdokumente der damals herrschaftlichen Obrigkeit, die das Weinmachen extra genehmigte. Solche Papiere liegen wohl verwahrt im Arbeitszimmer.

Vielleicht hat er recht. Mag sein. Die Schrift im “Recept” ist ok. Die alte, ungewohnte Rechtschreibung habe ich 1:1 übernommen. Gerade sie macht die Angelegenheit erst zum Vergnügen.
Ist das etwas für euch? Macht was draus.

Ich finde die Idee toll, so alte Schriften, in den vergessenen Hausecken aufzustöbern.
Ich spüre bestimmt noch etwas anderes auf, was für euch interessant ist.
Ist halt ein richtig alter, verwinkelter Hof, auf dem jede Generation gebaut und verändert hat.

Für heute erst einmal bis hier.
Eure Weinfee

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