Haus-Heim-Hof

Der korrekte Trick: “Kein Widerrufsrecht bei „Fertiggaragen“!

Erster Akt:

In Ihrem Wohnzimmer sitzt der freundliche Mitarbeiter einer Lieferanten der sensationell preiswerten und qualitativ einmaligen Fertiggaragen aus Stahl (ohne Boden) Garagen aus Beton (gleich mit Boden) kennt er, lehnt er aber wegen der Gefahr zur Rissbildung in den Wänden und der mangelhaften Be- und Entlüftung ab.

Er lächelt, als er Ihnen zuliebe nun das Ergebnis Ihres informellen Erstgesprächs und Lösung Ihres Problems noch einmal schriftlich zusammenfasst und während er „aus dem Gedächtnis“ alle Punkte aufzählt schreibt er diese im Notizstil Zeile für Zeile auf.

Nun noch ein gemütlicher Schwatz und die Frage, ob Sie wissen möchten, was das Ergebnis Ihres fantastischen Vorhabens Sie denn kosten würde. Sie hätten ja sicherlich bereits einige Kenntnisse erworben und sich auch eine finanzielle Schmerzgrenze gesetzt.

Das Produkt seines Arbeitgebers würde für Sie in der Fabrik individuell zusammengebaut. Exakt auf Ihre Bedürfnisse, Ihr Grundstück, Ihr Fahrzeug und Ihr Nutzungsverhalten angepasst.

Jahrzehntelange Erfahrung eines bundesweit agierenden Familienunternehmens, wirklich innovative Ingenieursfähigkeiten, sorgfältig ausgewählte Rohstoffe, zuverlässigste Zulieferer, über Generationen treue Mitarbeiter, pünktlichste Fertigung aufgrund moderner Technik und einwandfrei funktionierende Logistik und nicht zu vergessen ein ausreichend großer Fuhrpark mit Spezialfahrzeugen und ein eingespieltes Montageteam sind bereit sich Ihres Wunsches anzunehmen und mit der Detailplanung für einen korrekten Zuschnitt Ihres Bauvorhabens zu beginnen. Der bietet dazu noch den bequemen Service an, für Sie die für die Baugenehmigung erforderlichen Dokumente für wenig Geld – für einen Bruchteil dessen, was ein Architekten Ihnen abknöpfen würde – über die Planungsabteilung der Firma zu erledigen.

Ist das nicht das, was Sie immer wünschten?

Ausgerechnet Sie konnten den von allen Kunden wie besessen angeforderten, absoluten Traumverkäufer an an Ihrem Tisch locken. IHN, der Ihnen das sensationell preis-leistungsgünstigste Angebot des Universums mitgebracht hat, das alle Konkurrenten in den Schatten stellen wird und was noch viel wichtiger ist, welches die gesamte Nachbarschaft vor Neid erblassen lassen wird und der SIE besser versteht als Ihr Ehepartner.

Ein Traum ist wahr geworden und das für diesen unglaublichen, nur für Sie gestalteten Sonderpreis, der so einmalig ist, dass er sich den zum Abschluss des Gesprächs per Handykontakt von seinem Chef sogar bestätigen lassen muss, um seinen Job nicht zu verlieren.
Und dann noch der Hammer hinter vorgehaltener Hand: Wenn Sie kurzfristig entschließen können, winkt Ihnen noch ein Preisnachlass von weiteren 10 Prozent (etwa die halbe Mehrwertsteuer) und sollten Sie binnen 14 Tagen nach Vertragsabschluss eine Vorauszahlung leisten, erhalten Sie weitere 2%.

Er nimmt erneut das Smartphone und ruft diesmal in den Verkaufsleiter an. Diesen fragt er, ob die Aktion für saisonale Sonderangebote noch läuft. Er hört konzentriert zu, dankt, beendet mit einem besorgten Gesicht das Gespräch und macht sich erneut über die Preisberechnung her.

Zuerst die mit dem Chef abgestimmten Sonderkonditionen = 18.900€ inkl. MwSt. Davon ab die Sonderaktion ½ Mehrwertsteuer = 1.890€ und dann weitere 2% Skonto = 340€ ergibt dann den ausgequetschten Schmerzpreis von 16.670€.
Noch einmal – mal eben so durch IHRE (!) Cleverness – mehr als 2.000€ gespart. Einen Monatsnettolohn?

Der Verkäufer gratuliert Ihnen zu Ihrem fast schon unverschämten Glück gerade noch in die beiden Sonderaktionen gerutscht zu sein. Zuerst die Zustimmung seines Chefs für den ungewöhnlich niedrigen Sonderpreis, dann die Chance – am Chef vorbei – noch an der Preisaktion teilnehmen zu können.
Leider hat dies einen klitzekleinen Haken: Der Chef hat die ausgelaufene Markteinführungsaktion, an der der neue Stahlhersteller finanziell beteiligt ist, noch einmal um 48 Stunden limitiert und würde dem Stahlhersteller den Vertrag irgendwie – wie ein schon lange verabredetes Vorhaben – unterschieben. Dem Verkäufer und seinem besonders am Herzen liegenden Kunden zuliebe.

Dies kann nur Wirklichkeit werden, wenn der Verkäufer den Vertrag tatsächlich binnen 2 Tagen bis Geschäftsschluss mit originalen Unterschriften (keine Faxe, kein Mail) in der Firma einreicht, um auch diesen Auftrag im Original dem Hersteller vorlegen zu können.

Das wird knapp. Wäre aber gerade noch so machbar.
Er schiebt Ihnen den inzwischen, wie beiläufig vorgefertigten Auftrag zu und bietet Ihnen seinen Kugelschreiber an.

Bis dahin haben Sie natürlich auch über seine Familie, Ihre Familie, Ihre Hobbys, Ihr tolles Haus, Ihre schmucke Einrichtung gesprochen und er lobte natürlich Ihren angeborenen Instinkt für gute Geschäfte. Das beweist ja die tolle Lage Ihres Hauses mit hoher Chance auf große Wertsteigerung und Ihr Händchen für’s Geld.
Er hatte das bereits gespürt, als er Ihr Haus betrat. Schließlich hat er ja besondere Menschenkenntnis.

Unterschreiben Sie?
Nehmen Sie diese einmalige Chance wahr – ehe sie verstreicht?
Zeigen Sie Ihren Ehepartner spüren, was für tolle Geschäfte Sie im Interesse der Vermögensvermehrung abzuschließen in der Lage sind?
Beweisen Sie allen, was für ein harter Hund Sie sind und wie Sie Verkäufer bis auf’s Blut zu Ihrem Vorteil aussaugen?

Wenn Sie gerade mit ihm allein am Tisch sind, weist er noch darauf hin, dass Sie doch das gesetzliche Widerrufsrecht kennen, unter dessen Schutz Sie stünden und auf welches er Sie ausdrücklich hinzuweisen wolle.

Das ist es!
Sie unterschreiben!

 

Zweiter Akt:

Was Sie später erfahren werden:

Der Hersteller der einzelnen Module (Garagen, Tore) hat ganz besonders bei sogenannten Stahlgaragen mit dem Verbraucher rein gar nichts zu tun. Beide werden nie Kontakt haben.

Der Hersteller von Fertiggaragen liefert auf dem Papier an den Verkäufer / die Agentur. Solche Agenturen gibt es in der gesamten Bundesrepublik zu Hauf und das Internet quillt vor Ihnen beinahe über.
Daneben gibt es sogenannte “Kunden- oder Verbraucherportale”, die anbieten Ihnen mindestens 3 Angebote von Verkäufern aus der Region zu vermitteln.

Als Kunde haben Sie es in der überwiegenden Zahl aller Anbieter mit Internet-Verkaufsplattformen, Vermittlungsagenturen, selbstständigen Handelsvertretern zu tun. Wenn Sie auf Google-Map nach dem Wohnort und der Adresse der Anbieter suchen und dann die Satellitenansicht einschalten, sehen Sie, was sich hinter der Adresse verbirgt.
Welcher Unternehmer, der seine Garagen im Inland anbietet, würde Ihnen nicht voller Stolz seine Fabrik und seine Herstellungsstätte vor Augen führen? Wenn er eine solche hätte.

Wer sein Büro in einen Einfamilien- oder Mehrfamilienhaus betreibt, der ist eben ein Handelsvertreter oder Monteur. Aber er stellt nichts her

Auch kleine Grundstücke, die mit Garagen und Holzlauben regelrecht zugepflastert sind, zeigen dadurch ganz deutlich, dass es sich nicht um eigene Herstellungsobjekte sondern um Ausstellungsmodelle handelt.
Das ist nichts Schlimmes, muss aber einmal deutlich gemacht werden.

Etliche dieser Handelsvertreter erwecken im Verkaufsgespräch den Eindruck, sie wären für eine richtig massige Firma tätig, die mit eigener Fabrik und eigenem LKW-Fuhrpark seit Jahrzehnten für Herstellung, Planung, Forschung, Anlieferung und Montage auftritt. Sie sprechen von “unserer Planungsabteilung, unserem Architekten, mein Chef udgl.”
In den Verträgen steht es dann an unterer Stelle aber anders.

Es ist nicht unüblich, dass der Handelsvertreter gegenüber dem tatsächlichen Hersteller der Fertiggaragen einen Garantieverzicht unterzeichnet hat.
Dadurch wird der “Einkaufspreis” für die Vermittlungsagentur des beim Kunden als Verkäufer auftretenden Handelsvertreter noch einmal etliche Prozent  geringer. Oder anders herum ausgedrückt, die Spanne des Rohgewinns erhöht sich beim Handelsvertreter.

In der Konsequenz bedeutet dies, dass der Verkäufer im Reklamationsfall allein den Kopf hinhalten und sich mit dem Kunden auseinandersetzen muss.
Für solche Fälle bildet ein guter Kaufmann Rücklagen, um im Schadensfall Nachbesserung leisten zu können. Meinen Sie, dass ein Garagenhändler, der provisionsabhängige Handelsvertreter (Außendienstler) beschäftigt, derartige Rücklagen bildet?

Schauen Sie in den Bundesanzeiger, geben Sie unter Suchbegriff den GmbH-Namen Ihres “Verkäufers” ein und schauen Sie sich die Bilanzen an.

Sie finden dort die GmbH, aber Bilanzen sind nicht zu finden?
Tja, dann ist diese GmbH evtl. neu, hat aus irgendeinem Grunde umfirmiert, eine alte Firma wurde stillgelegt und an ihrer Stelle eine neue gegründet, die GmbH veröffentlicht seine Bilanz erst im allerletzten Moment oder er hat eine Firmenkonstellation gewählt, die ihm das Veröffentlichen von Bilanzen erspart.

Evtl. können Sie sich auch über Gründungsdokumente und Inhaberschaften informieren.
Auch im Internet gibt es Möglichkeiten. Das ist allerdings kostenpflichtig.
Aber lohnen sich 20€ bis 25€ nicht alle Male bei einer viele tausend € kostenden Investition?

Tun Sie es einfach!
Es geht um Ihr Geld und in den meisten Fällen tun Sie gut daran.
Und prüfen Sie, ob der Anbieter, der Ihnen im Internet die optimale Schnäppchengarage anbietet, auf dieser Internetseite überhaupt ein Impressum veröffentlicht. Im Impressum steht seine Firmenanschrift und seine Telefon-Nummer.
Oder Sie sollte / muss lt. Telemediengesetz dort stehen.

Ich selbst bin bei meinen Recherchen auf eine ganz besonders großspurig präsentierte Internetseite gestoßen, bekomme aber nicht heraus, wo diese Firma ihren Firmensitz hat. Ich finde einzig und allein eine 0800er-Telefonnummer und hübsche Bilder aus dem Bestand professioneller Fotoanbieter auf den Monitor.
Solche Fotos kann man z.B. beim Anbieter „Fotolia“ für wenige Euro erwerben.

Das alles führt insgesamt dazu, dass der Verbraucher und Garagenkunde gar keinen Anspruch gegen die Hersteller hat. Ansprüche auf Gewährleistung oder Garantie gegen ihn gehen ins Leere. Der Verbraucher muss sich mit seinen Reklamationen ganz allein an den Verkäufer bzw. Händler bzw. die Agentur wenden.
Viel Spaß wenn es sich um größere Ansprüche handelt.
Ich wette, dass dies nicht nur Wochen dauert, sondern dass da auch schnell Jahre ins Land ziehen.

Und der Verkäufer (besser: die Verkäuferin) tritt fast immer als GmbH (mit beschränkter Haftung) oder gar eine GmbH und Co KG auf.
Also haftungsbeschränkt.
Womöglich beträgt das haftende Kapital lediglich 25.000 Euro. Und daneben sind dann in den Aktiva der Bilanz irgendwelche immateriellen Rechte neben Forderungen an Kunden eingetragen.
Was das Immaterielle in der Bilanz sein kann, ist bestimmt nicht herauszubekommen.
Ob das da zurecht steht ebenfalls nicht. Genauso wenig wie Sie erfahren erden, wie diese immateriellen Güter auf einem Markt zu Geld zu machen sind.

Wie sollen solche Informationen ausreichen, wenn z.B. die Dachlast der Fertiggarage nicht ausreicht, einbricht und Ihr geparktes Kfz beschädigt wird?

Schauen Sie in den von Ihnen unterzeichneten Auftrag und prüfen Sie, welche Dachlast Ihre gerade erworbene Fertiggarage verträgt sehe sie zusammenbricht.
Sie finden dazu keine Angaben?
Tja.

Jeder Kunde muss sich selbst entscheiden, ob ihn das verlockende Angebot des Verkäufers, der mit ihm gerade in der Küche zusammensitzt, reizt. Er muss vorher ernsthaft prüfen, ob er auf der Stelle kauft, ob er vielleicht gleich einmal erfragen sollte, an wen er sich im Reklamationsfall zu wenden hat und eer muss wissen, wie er aus diesem Vertrag kostenlos wieder herauskommt.
Wer sich mal eben so am Küchentisch eine Fertiggarage kauft, sollte klug genug sein, zu wissen, wie er den Vertrag annulliert ohne teure Konsequenzen in Kauf nehmen zu müssen.

Gudrun schreibt ja gerade, dass in einem ihr vorliegenden Angebot 25% der Vertragssumme verlangt werden.
Das ist Schadenersatz an den V erkäufer. Er muss nicht als eingetretener Schaden bis auf die dritte Stelle hinter dem Komma nachgewiesen werden, es muss gar nicht nachgewiesen werden, dass es einen Schaden gab.
Wenn im Vertrag diese Klausel steht, ist sie gültig.
Es sei denn Sie haben eine wirklich gute Idee.

Der Kunde muss bei aller Kritik an derartigen Praktiken wissen, dass es nicht ungesetzlich ist, eine GmbH zu gründen und die Haftung zu beschränken.

Zum Schluss eine weitere
private Meinung oben drauf
und keine Rechtsberatung:

“Ein Privatmann / eine privat handelnde Frau kann die persönliche oder gemeinsame 100%-Haftung ja auch legal beschränken. Dazu könnte z.B. rechtzeitig der Familienstand der Gütertrennung herhalten. Das hat bei kluger Handhabung dieselbe Schutzwirkung gegen einen Anspruchsteller wie die GmbH den Verkäufer schützt.
Warum soll also der Gewerbetreibende auf diesen Schutz verzichten und riskieren, dass er seine gesamte Familie in den Ruin führt, wenn sein Kunde sich auch schützen kann?

Es gibt nicht nur böse, egoistische, rücksichtslose Verkäufer. Es gibt aber auch gierige, selbstgefällige, maßlose und unbelehrbare Kunden.
Diese beiden Parteien – insbesondere solange sie sich nicht kennengelernt haben – zusammenzubringen, ist in der alltäglichen Praxis nicht kalkulierbar.

Und weil das so ist, ist es gut, dass man sich schützt.

Verkäufer verlangen zu viel Geld für zu wenig Leistung vom Verbraucher!
Kunden verlangen unberechtigte Vorteile, stecken sich einfach Ware ein ohne zu bezahlen, Verbraucher versuchen den Preis zu drücken, nutzen das gesetzliche Widerrufsrecht schamlos aus oder geben sich allzu oft große Mühe, Zahlungen auch mit unsportlichen Tricks  zu vermeiden.“

Warum schreibe ich dies alles so ausführlich und schrecklich?

Weil Sie in der Regel gar kein Widerrufsrecht haben!

Die §§ 312, 312b und 312g des BGB sind das Mindeste was Sie aufmerksam gelesen haben sollten, bevor Sie einen professionellen Garagenverkäufer in Ihr Haus lassen.

Der Verkäufer hat diese Passagen auch gelesen.
In § 312g  des BGB heißt es:

(1) Dem Verbraucher steht bei außerhalb von Geschäftsräumen geschlossenen Verträgen und bei Fernabsatzverträgen ein Widerrufsrecht gemäß § 355 zu.

(2) Das Widerrufsrecht besteht, soweit die Parteien nichts anderes vereinbart haben, nicht bei folgenden Verträgen:

1.Verträge zur Lieferung von Waren, die nicht vorgefertigt sind und für deren Herstellung eine individuelle Auswahl oder Bestimmung durch den Verbraucher maßgeblich ist oder die eindeutig auf die persönlichen Bedürfnisse des Verbrauchers zugeschnitten sind, …

Wenn der Verkäufer Ihnen keine Garage von der Stange verkauft, haben Sie sich auf eine individuell für Sie zusammengestellte Garage eingelassen, die fernab in einer Fabrik – ggf. im Ausland – nach Ihren Vorgaben an den freundlichen Verkäufer für Sie hergestellt wird.

Aus der Nummer holt Sie auch das gesetzliche Widerrufsrecht nicht heraus.
Entweder Schadenersatz zahlen, einen teuren und riskanten Prozess führen oder Nerven haben und einen schlauen, aber ebenfalls nicht risikolosen Weg wissen, wie Sie Ihren Kopf wieder aus der Schlinge ziehen.

Richtig klug ist, den Kopf erst gar nicht in die Schlinge stecken.

1 KommentarSchreiben Sie Ihre Meinung

  • Das ist mal wieder ein echt brauchbarer Tipp. Hoffentlich kriegen die über solche Gesetzesumwege uninformierten Kunden das auch mit. Ist doch zum Aufschreien. Auf das bestehende Widerrufsrecht muss der Verkäufer in geeigneter Form deutlich hinweisen. Dass er gar keines hat und sich in falscher Sicherheit wiegt, wird ihm nicht gesagt. Das sollte als strafbare Unterlassung behandelt werden. Oder etwa nicht?

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