Haus-Heim-Hof

Doppelgarage (5) – Stahlgarage (a)

Auf meinem Schreibtisch liegt ein Angebot über die Lieferung und Errichtung einer 2-fach-Stahlgarage in den Maßen 5,90 breit x 7,70 tief und 2 Toren plus einem überdachten Durchgang 1,60 breit für knapp 25.000 Euro.
Dieses Angebot habe ich mir anfertigen und aushändigen lassen. Es ist bis auf wenige Zentimeter vergleichbar mit dem Doppelcarport aus Holz, den ich in diesem Blog in den Beiträgen “Doppelgarage (1) bis Doppelgarage (4)” ausführlich , beschrieben habe.
Der Anbieter nennt dies eine Garagen-Carport-Kombination.

Diese besteht aus der Basisgarage mit Flachdach und einer offenen Seitenwand
Dann folgt eine seitliche Anbaugarage – ebenfalls mit Flachdach, welcher eine Seitenwand fehlt.
Aus der Basisgarage und der Anbaugarage werden jeweils 1 – an die andere Garage angrenzende –   Seitenwand entfernt. Dadurch entsteht eine offene Doppelgarage ohne Zwischenwand.
Das macht den Kauf lt. Verkäufer aber nicht preiswerter gegenüber 2 einzelner Basisgaragen.

Daneben ist noch eine Überdachung des seitlichen 1.60 m breiten Freigangs mit statisch erforderlichen, zusätzlichen Stützen vorgesehen.

1 (?) Sektionaltor der Firma HÖRMANN wird mit M-Sicke, woodgrain und in Farbe angeboten,
dazu 2 Pfetten für den elektrischen Torantrieb und
2 Handsender
zudem wird Edelputz für die Außenseite aufgeführt, wie auch eine Blende um den Dachsims, die weiße Innenbeschichtung, ein Vließdach (innen) als Schutz vor Kondensationsniederschlag und eine Dachrinne.

Es fehlen allerdings die Fundamente. Für die müssen wir selbst sorgen.
Ich vermute, dass die Summe sonst die 25.000 Euro-Marke erheblich übersteigen würde.
Man merke: Wer das Fundament erstellt, trägt die größte Verantwortung für die dauerhafte Standfestigkeit.

Hier heißt es unter den Zahlungsbedingungen (gerundete auf volle Tausender):

Gesamtpreis ………………………………………… 24.000 EURO
Anzahlung ……………………………………………… 5.000 EURO
Skonto ……………………………………………………….. 500 EURO
Restzahlung ………………………………………… 18.500 EURO
zzgl. etwa 500 Euro Architektenhonorar für den Bauantrag.
Entwässerungsantrag, Gebühren usw. sind nicht im Preis enthalten.

Die Restzahlung soll bei Lieferung in bar oder per Lastschrifteinzugsermächtigung erfolgen

Mein Anwalt gibt mir recht, wenn ich äußerte, derartige Zahlungsbedingungen niemals akzeptieren zu wollen.
Warum soll ich 5.000 Euro sofort anzahlen und den Rest sofort bei Lieferung? Was sind das für Verkaufsideen? Aber wie bei Allem muss ich natürlich auch die Seite des Geschäftspartners bedenken und seine Erfahrungen in meine Meinung mit einbeziehen.
Dies Problem ist daher wohl eine Angelegenheit der vor Vertrag zu führenden Detailverhandlungen.

Der Verkäufer wird sagen: “Ich kenne sie “Kundin” gar nicht, habe sie noch nie gesehen und noch nie ein Geschäft mit Ihnen abgewickelt. Ich muss vorsichtig sein und auf  Vorkasse eines Teilbetrags bestehen, sonst habe ich Ihnen eine Garage aufs Grundstück gebaut aber kein Geld.”

Ich werde ihm erwidern: “Genauso sehe ich das auch wenn ich Sie so betrachte. Ich soll Ihnen vertrauen und mein Geld aushändigen? Sie haben sich doch durch den Mantel einer GmbH und Co KG vor Kundenansprüchen geschützt. Ich sollte daher sehr vorsichtig sein. Nachher habe ich weder Geld noch Garage.”

1. Was mich bei allem Verständnis trotzdem nachdenklich macht:
a) Ich finde nur einen Gesamtpreis, keinen einzigen Einzelpreis im Angebot.
b) Details zu den aufgeführten Einzelartikeln fehlen samt und sonders.
c) Aufbau, Materialien, Traglast (z.B. Schnee) des Garagendachs sind nicht beschrieben.
d) welches Sektionaltor aus dem Portfolio der Firma Hörmann wird angeboten?
e) welche Stärke, Größe und welchen Beschlag hat die Nebentür?
f) es gibt merkwürdigerweise 2 Torantriebe und 2 Pfetten aber nur 1 Tor. Das sieht nach einer Nachberechnung aus. Hätte ich dies nicht bemerkt, wäre hier ggf. Ärger über nachträgliche Kosten zu erwarten.

2. AGB (Zusammenfassung)
Hier wird gesagt, dass die Monteure des Verkäufer nicht für Abdichtarbeiten zuständig sind.
Der Kaufpreis ist nach Fertigstellung der Montagearbeiten sofort und ohne Abzug fällig.
Zahlung sind wie folgt zu leisten: 20% bis zur Erteilung der Baugenehmigung, 50% bei Liefer- und Montageabruf, die restlichen 30% bei Fertigstellung u. Abnahme.
Sollten örtliche Baugenehmigung erforderlich werden, wird der Kunde diese beibringen.
Auflagen des Bauamts zu erfüllen ist Sache des Kunden.
Angaben zu Lieferzeiten sind Zirka-Angaben.
Gibt es keine Baugenehmigung kann der Kunde vom Vertrag zurücktreten.
Tritt er ohne diesen Grund zurück muss er 25% der Vertragssumme als Vertragsstrafe zahlen!
Der Auftragnehmer hat ein Rücktrittsrecht vom Vertrag von bis zu 4 Wochen. Was zahlt er in diesem Falle?
Und wo ist das Rücktrittsrecht des Kunden?

Der Auftragnehmer kann im Einzelfall für die Vermittlung von Unternehmern sorgen, welche Nebenarbeiten z.B. Fundamente auf Risiko des Auftraggebers erledigen.

3. Was fehlt in diesem Vertrag?
Tja es gibt keinerlei gesetzliches Widerrufsrecht. Nur den kostenpflichtigen Rücktritt oder den kostenfreien, wenn das verabredete Bauvorhaben z.B. aus behördlichen Gründen gar nicht durchführbar ist.
Woran liegt es, dass es kein gesetzliches Widerrufsrecht gibt?
Für individuell zusammengestellte Garagenbauten ist ein gesetzliches Widerrufsrecht  nicht vorgesehen.

Ich formuliere es mal mit meinen nicht juristisch geschulten Worten: “Dem Verbraucher steht ein Widerrufsrecht bei Verträgen nicht zu, für Lieferung von nicht seriell vorgefertigten Waren, für deren Herstellung eine individuelle Auswahl, Zusammenstellung oder konkrete Bestimmung durch den Verbraucher ausschlaggebend ist.”
Kürzer schreibt es §312 unseres BGB. Ich rate dringend sich mit diesem Paragraphen auseinanderzusetzen.

Offenbar aus diesem Grunde bietet niemand „Standardgaragen“ von der Stange an.
Wenn es doch dank des Bürgerlichen Gesetzbuches so einfach ist, ein Widerrufsrecht zu vermeiden.
Auch wenn so ein Recht gerade für „Fertiggaragen“ durchaus möglich wäre, denn die Komponenten sind Standard und ein weiterer Grund wäre, dass der Kunde auch stets Wände bezahlen muss, die er weglässt und gar nicht geliefert bekommt. Wie z.B. Zwischenwände.

4. Im Großen und Ganzen ist nichts weiter dazu zu berichten.
Der Verkäufer kommt selbst zum Kunden ins Haus. Natürlich will er nicht nur schauen, er will gleich vor Ort verkaufen und lässt nichts unversucht, um dies zu erreichen. Dazu werden auch Sonderangebote ins Feld geführt, die nur noch wenige Stunden oder Tage gewährt werden können und sich eine sofortige Unterschrift für den Kunden wirtschaftlich sehr lohnen würde.

Der Kunde muss sich klar darüber sein, dass er nicht mit dem Hersteller spricht. Er spricht im reinsten Sinne mit einem „Verkäufer“, welcher keines der angebotenen Bestandteile selbst herstellt, mit seinem eigenen Fahrzeugen liefert oder durch eigenes Personal montiert.

Der Verkäufer ist allein an der im Kaufpreis enthaltenen Provision interessiert, in der sogenannte ➡ Regiekosten seiner Vermittlungsagentur enthalten sind.
Ich vermute, dass die Provision in ihrer Höhe der schnell fälligen Anzahlung entspricht.

Nachtrag:
Da ich den Verkäufer wegen meiner Fragen und des offenkundig nicht ausgewiesenen 2. Garagentores angeschrieben hatte, rief dieser auf mein Bitten in bei mir  an.
Meiner Frage, warum er nur 1 Tor angeboten habe, widersprach er. Ich hatte ihm sein Angebot zugefaxt. Er behauptete keck, er habe das Angebot vor sich liegen und in seinem Exemplar stünden 2 Garagentore.
Merkwürdig, merkwürdig.
Wie konnte er seinerzeit 2 unterschiedliche Angebote ausstellen und mir dann das falsche zur Unterschrift mitgeben?

Auf die fehlenden Einzelpreise und die auffällig dürftige Artikelbeschreibung angesprochen, die ich bei einem Gesamtpreis von 25.000 Euro so nicht akzeptieren würde, antwortete er, dass er nicht wisse, was für ein anderes Angebot ich mir vorstelle. In seinem Exposé stünden doch alle erforderlichen Angaben ausführlich drin.
Als ich ihn darauf hinwies, dass ich in einen Betrieb für Innenausbauten gerade für den Bereich “Angebote” tätig sei und seine nicht einmal 1-seitige und zudem fehlerhafte Auflistung ungewöhnlich fände, legte er mitten im Gespräche auf.
Ich weiß nicht einmal, ob er das Ende meines Satzes überhaupt noch gehört hat.

Ich ziehe daraus den Schluss, dass man an Nachfragen nicht interessiert ist und das Augenmerk auf unterschriftsfreudige Spontankäufer (Opfer) richtet, die meinen, sie kämen aus dem Vertrag aufgrund eines gesetzlichen Rechts auf Widerruf wieder heraus.

Ich kann nur alle davor warnen, sich auf so etwas einzulassen.
Lassen Sie sich nicht ihr eigenes Fell über die Ohren ziehen.

4 KommentareSchreiben Sie Ihre Meinung

  • Hatte heute ein Vorgespräch mit einem Verkäufer. Natürlich hatte auch er den Hinweis auf das gesetzliche Widerrufsrecht im Wortschatz. Dank dieses Blogs war ich ihm um einige Stunden voraus und stellte ihn auf die Probe. Ich bat ihn freundlich, er möge mir in den AGB seiner Firma zweigen, wo das mit dem Widerrufsrecht steht.
    Binnen maximal 5 Minuten war mein Besucher aus unserem Haus und von unserem Grundstück verschwunden. Ehrlich. Vollkommen ohne Gruß. Zack. Weg war er.
    Ich glaube ich war mehr über seine Reaktion überrascht, als er über meine doofe Frage.
    Ich war komplett sprachlos.
    Ich möchte mich sehr bedanken.
    Vielleicht hat mich Euer Artikel über das fehlende Widerrufsrecht gerettet.
    Auf jeden Fall bin ich vor einem schmierigen Verkäufer gerettet worden.

  • So ein Ding hat sich eine Verwandte auch andrehen lassen. Die vom Vater in Eigenarbeit erstellten Fundamente beurteilte der Monteur der Garagenfirma nach kurzem Blick von der Straße her als kritisch. Mein Vater ist seit 40 Jahren im Hochbau tätig und Fundamente sind sogar sein Steckpferd, da diese das Ein und Alles am Bau sind. Sagt er und er darf sich Polier nennen.

    So ziehen sich die Stahlgaragen-Gigolos schon aus der Affäre, ehe sie überhaupt abgeladen haben. Alles Schmu. Und dann noch mittelmäßige Ware zu horrenden Preisen.

  • Versuch dein Glück bei Garagen-Klaus. Der macht einen guten Eindruck. Wenigstens online. Was da auf seine Web steht, liest sich ziemlich keck, aber irgendwie auch  kompetent. Auf mich macht es diesen Eindruck.

Schreiben Sie bitte Ihre Meinung hierzu

Your email address will not be published. Required fields are marked *