Haus-Heim-Hof

Vorsicht: “Grundbesitz bedroht Altersvorsorge !!”

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Kalle aus dem Wiehengebirge schreibt uns:

Ich habe mir ein bebautes Grundstück gekauft, dieses erheblich umgebaut und vergrößert, modernisiert und verschönert. All meine Ersparnisse habe ich darin investiert. Ich hoffe, dass sich durch Mietersparnis und Vermietung alle Aufwendungen etwa 10 Jahre vor dem gesetzlichen Rentenbeginn amortisiert haben und ich dann von Rente, eingesparter Eigenmiete und Einnahme aus Vermietung u. Verpachtung sorgenfrei meinen Lebensabend verbringen kann.

Die Radiosendung „Jetzt reicht’s“ am 22.11.2017 auf „NDR 1 Niedersachsen“ hat mich im Nu wachgerüttelt und mein Vorhaben so was von relativiert, dass ich heute vorsichtiger über derartige Vorhaben denke. Ein gemütliches Alter sieht anders aus!

In Gadenstedt bei Peine in Niedersachsen wird den Bürgern gerade hautnah beigebracht, dass Altersvorsorge und Sicherheit durch Grund und Boden pure Phantasie sind. Der Bundesbürger irrt sich nämlich wenn er plant, durch Grundbesitz seine Zukunftssorgen los zu werden und dadurch seine Zukunft sogar zu sichern.

Denn hier wird die Ortsdurchfahrt saniert. An dieser liegen die Grundstücke von etwa 100 Bürgerfamilien. Sie sind sogenannte „Anlieger“ und sie werden kräftig zur Kasse gebeten.

Vollkommen gleich, ob das geltende Recht des Bundes, des Bundeslandes, der Kommune dieses hergibt oder ob Möglichkeiten bestehen die Bürger zu verschonen bzw. deren Lasten zu mildern, für die Betroffenen ist es ist ein richtig schwerer „Schlag ins Kontor“. Unter Umständen bedroht diese Maßnahme die berufliche, gewerbliche, familiäre Existenz und womöglich die Zeit darüber hinaus auch.

Die Anwohner müssen sich an den Kosten beteiligen. Die Höhe ihres Anteils richtet sich nicht nach der Anzahl der Meter, mit denen der Grundbesitz an der Durchgangsstraße beteiligt ist. Es geht vielmehr um die Grundstücksgröße.
Da kommt in Gadenstedt keine Freude auf.

In der Wolfenbütteler Zeitung berichtet Harald Meyer am 23.11.2017, dass nach aktuellen Berechnungen für einzelne Anlieger Kostenbeteiligungen in Höhe von 5.000 bis 328.000 Euro entstehen werden.

Anfang des kommenden Jahres soll eine (weitere) Bürgerversammlung stattfinden, um die Ausbaukosten der Straße zu erläutern und über genaue Anteile der Bürger an ihnen zu berichten.

Grundlage für diesen Kostenwahnsinn ist die „Straßenausbaubeitragssatzung“ der Gemeinde Ilsede. Einmal festgelegt und der Bezirksregierung mitgeteilt, gibt es für die Gemeinde keinen Spielraum mehr, von ihrer eigenen Satzung abzuweichen.

Und da liegt der Hase im Pfeffer.

Wer von uns kennt schon derartige Satzungen, die für die Gemeinden gelten, in denen WIR leben.
Ist es wirtschaftlich sinnvoll, eigene Grundstücke auf der Stelle zu „verhökern“?

Ist es fair einem Grundstückskäufer von der Bedrohung durch eine derartige Satzung nichts mitzuteilen und womöglich ihn womöglich in 15 Jahren in sein finanzielles Chaos laufen zu lassen?

Es heißt: In Gadenstedt geht es um 1,4 Kilometer Straße, die ca. 14 Meter breit ist und und zum Schnäppchenpreis von 3,52 Millionen Euro saniert werden soll.
1 Million zusätzlich zahlt der Wasserverband für neue Abwasserkanäle, die im Zuge der Straßensanierung gleich auch erneuert werden sollen, um für die Zukunft vermeidbare Kosten nicht erst entstehen zu lassen.
Die Hausanschlüsse der einzelnen Grundstücke an diesen neuen Kanal zahlt aber jeder Grundstückseigentümer wieder selbst. Das entlastet die Gemeindekasse und freut (noch) die Bürger, die von solchen Dingen (noch) nichts ahnen oder (noch) nicht betroffen sind.

Der Bürgermeister äußerte, dass durch die Sanierung der als Durchgangsstraße deklarierten Ortsdurchquerung ein bedeutender Mehrwert für die Grundstückseigentümer entstehe,
Auf der letzten Bürgerversammlung wurde dagegengehalten: Es gäbe verkaufsbereite Bürger, denen Kaufwillige diesen fiktiven Mehrwert nicht zahlen oder gar vom geforderten Kaufpreis abziehen wollen.
Als Kaufinteressierter würde ich dies wohl auch so sehen, denn wo wird der in den Raum gestellte Mehrwert nachweislich und nachlesbar dargestellt? Wer stuft die Quadratmeterpreise der betroffenen Grundstücke als wertvoller ein? Das Katasteramt etwa?

Mein Auto hat eine Beule in der Fahrertür.
Den Wert des unbeschädigten Kfz kann ich im Internet ermitteln.
Kann ich das Auto etwa dadurch teurer und als „wertvoller“ verkaufen, dass ich die Tür erneuern lasse?
Da möchte ich doch Zweifel anmelden.

Ich will nicht sagen, dass das alles, was da gerade in Gadenstedt passiert, ungerecht ist.
Ich möchte an dieser Stelle jedoch darauf aufmerksam machen, dass man als Grundstückseigentümer eigentlich auf einer Zeitbombe sitzt.
In einer Nachbargemeinde sollen Bürger für die gleichen Straßenbauarbeiten nichts gezahlt haben.
Toll.
Das kleine Quäntchen Glück macht manchmal den entscheidenden Unterschied.

Aber wer garantiert uns, dass ein Gemeinderat sich nicht anders entscheidet und urplötzlich – gleich nachdem Sie gekauft haben – die Satzung für die Zukunft – auch Ihre – gravierend ändert?

Und wer sichert Ihnen zu, dass Sie von diesen Änderungen, die die gesamte Bürgerschaft betrifft, rechtzeitig etwas erfahren?
So rechtzeitig, dass Sie sich nicht blind darauf verlassen haben, dass Ihr Grundbesitz zugleich Ihre grundfeste Versicherung vor der permanent drohenden Altersarmut ist. So rechtzeitig, dass Sie nicht tatenlos zusehen müssen, wie die Hoffnung auf ein würdevolles, sorgenfreies Alter den Bach runtergeht und Sie inzwischen zu alt geworden sind, einem bedrückenden Lebensabend noch ein Schnippchen schlagen zu können.

Die Weisheit „Drum prüfe, wer sich ewig bindet“ passt für uns „Otto Normalbürger“ verdammt genau auch auf so eine prekäre Situation.

Eigentum verpflichtet uns.
Viel zu oft nur zu niemals endenden Zahlungen.
01.12.2017
Kalle

 

4 KommentareSchreiben Sie Ihre Meinung

  • Diese Methode gibt es überall. Erst ruiniert der Gemeinderat / Stadtrat dir Straßen durch Unterlassen von dringenden Reparaturen und wenn diese dann nicht mehr zu reparieren sind, werden die Anwohner zur Kasse gebeten.
    Reparaturen müssen Gemeinden / Städte selbst bezahlen.
    Neubauten zahlen dagegen die Bürger.

  • Das sind heftige Preise, die hier für 1,5 km Straße verlangt werden.

    Ich habe gelesen, dass 1 km Bundesautobahn 5 Millionen kosten sollen. Und die BAB muss wirklich etwas aushalten.

    Was soll eine einfche Duchgangsstraße ertragen müssen? Gibt es in der Nähe etwa  ein atomares Endlager, müssen Castor-Container transportiert werden? Oder ist eine solche Lagerstätte bei der ergebnisoffenen Suche geplant?

    In Niedersachen, dem Land der Pferde, Schweine, Hühner und deren Hinterlassenschaften in wahrlich ungeheuren Mengen, dem Land des im Salzstock endgültig absaufenden atomaren Zischenlagers; in diesem Niedersachsen ist alles möglich.

    VW wohnt da übrigens auch. Hat da sogar eine eigene Stadt.

    Mich würde es nicht wundern, wenn diese komische Straße AUF ZUKUNFT gebaut wird. Bei euch in Niedersachsen gibt es garantiert jede Menge Platz in alten, uralten Salz- oder Kali-Bergwerkstollen. Platz für jede Menge Abfälle, den wir unseren Kindern und Kindeskindern hinterlassen müssen, weil bei Herstellung nicht an deren Entsorgung gedacht werden musste.

    ICH HABE EIN KOMISCHES GEFÜHL!

     

     

  • Auch bei mir herrscht große Ernüchterung. Dass ich für Fehler, Nachlässigkeiten u. Beschlüsse der Politiker zahlen muss ist mir ja bekannt. Aber ich habe nicht mit derartig hohen Kosten gerechnet.

  • Wer hätte das gedacht. Bislang habe ich daran gar keinen Gedanken verschwendet. Lebe bestimmt auch auf einem gefährdeten Grundstück. Habe meine Altersvorsorge von meinen Eltern geerbt. Richtig! Ein ziemlich altes Haus an einer ziemlich alten Straße, die mitten durch unser ziemlich kleines Dorf führt. Habe alles fit gemacht und viel Geld da rein gesteckt. Fehler?

    Wie hieß noch mal der Schutzheilige für Eigenheimbesitzer? War das ursprünglich nicht dieser Bundesbauminister? Wo ist der Knilch heute?

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