Haus-Heim-Hof

Maulwurfsversteher

Grüße aus dem Thüringischen.
Wir wollen einem guten Freund beim Umzug helfen. Seinen Vorschlag, uns zu bezahlen, haben wir nicht angenommen. Statt dessen hat er sich bereit erklärt, quasi als Gegenleistung, über seine Maulwurfserfahrungen zu berichten.
Hier ist sein Beitrag, den wir nur allzugern veröffentlichen:

Der geborene Maulwurf ist ein scheues, gänzlich unaufdringliches, friedfertiges, scheinbar nützliches Wesen und hat so gar nichts mit seinem Namensvetter zu tun, der von Banken und Behörden, Militär, Polizei oder Industrieunternehmen für die Weitergabe vertraulicher Informationen, mir fallen zur Sekunde beispielhaft Steuer-CDs ein,  verantwortlich zeichnet.

In unserem Garten versucht sich der Erstgenannte zu tummeln, er findet hier offensichtlich was er dank unfehlbarer Spürnase intensiv sucht. Wir haben Verständnis mit seiner Art und respektieren seinen Lebensraum. Er tut, wozu er geboren wurde, wie wir es ja auch zu tun versuchen. Wenn er auch uns respektiert und wir uns auf bestimmten Terrains aus dem Wege gehen, können wir gemeinsam alt werden. Wir würden ihm nie etwas tun und ihm nie auf den Leib rücken. Auch wenn er seinen Gebietsanspruch trotz unserer Wünsche ungeniert auf unseren Garten ausdehnt. Lediglich bei unserer Rasenfläche ist die Toleranz dann doch am Ende.

Da kommt dann der ungarische Orban in uns durch und ich denke auf der Stelle an Zäune, Absperren, Zurückschicken, Platzverweis, Einreiseverbot, Gefangennahme, Schusswaffen, Knüppel und andere Schikanen, die gerade noch so eben an einer Körperverletzung vorbeigehen.

Diese Grenze scheint einer der Maulwürfe jetzt bei überschreiten zu wollen.
Nicht, dass wir auf das Gerücht hereinfallen, er wäre blind und taub. Dies Gerücht haben er selbst, seine „Versteher“ und Unterstützer in Umlauf gebracht. Sie möchten damit offenbar seine Unvernunft, sich unter unserer Rasenfläche selbstverschuldet in konkrete Gefahr zu begeben, erklären und uns ggf. milde stimmen, da wir als zivilisierte Menschen gegenüber Blinden und Tauben eine angeborene Hilfsbereitschaft zeigen. Groß wird sie dann, wenn beide Beschränkungen zusammen auftreten.
Es ist erwiesen, dass er Lärm aus dem Wege geht. Ein Maulwurf kann vielbesser sehen als wir denken und hören kann er ebenfalls sehr, sehr gut. Weil er die meiste Zeit unter der Erde im Dunkeln herumbuddelt kann er notgedrungen auch ausgezeichnet riechen. Ihm wird nachgesagt, er schaffe bis zu 1 Kilometer am Tag Gänge zu graben und könne Erde nach oben drücken, die bis zu 20x mehr Gewicht haben, als sein eigener, kleiner Körper. Ein echtes Muskelpaket.

Genug des Lobes auf diese Erfindung der Natur und Entwicklung der Evolution.
Wir möchten ihm zeigen wo er sich austoben darf und wo nicht.
Wir wollen ihn nicht verletzen oder gar um die Ecke bringen. Er tut, das, was die Natur für ihn vorgesehen hat. Mehr nicht. Auch nicht weniger.
Als seine Lebensweise festgelegt wurde, gab es höchstwahrscheinblich keine Lebewesen, die sich Ziergärten mit englischer Rasenfläche anlegten, um diese zu mähen und anzusehen. Er scheint rückständig zu sein und seine Kenntnisse über uns sind nicht up-todate. Er scheint an aktuellen Nachrichten wenig Interesse zu haben und hat erkennbar den Anschluss an die Moderne, ans Telefon, das Radio und das Smartphone verpennt zu haben.

Wie wir lesen konnten, steht er unter besonderem Artenschutz.
Ist es nicht schade, dass man den Artenschutz überhaupt erfinden musste?
Das spricht nicht für uns.

Wir haben alle vertretbaren, unschädlichen und ungrausamen Mittel ausprobiert, die uns empfohlen wurden.
Offensichtlich haben wir nur Erfolg, wenn wir an seine Sinnesorgane appellieren.
Wir werden ihn mit üblen Gerüchen und Radau vergrämen.
Wenn es klappt.

Als Geruchsoffensivmittel stehen uns unverdünntes Eukalyptushaarwaschmittel und Buttersäure zur Verfügung. Beides haben wir inzwischen im Hause.
Soll auch gegen Ameisennester im Rasen helfen.
Gut, wir probieren es erst einmal beim Maulwurf aus.

Daneben hat uns ein Landwirt gezeigt, wie er es geschafft hat.
Er hat an den Grenzen seines Gartens (ein riesig großer Garten) jeweils 2 Meter lange HT-Abwasserrohe (das sind die grauen Kunststoffrohre aus dem Baumarkt, die man ineinanderschieben kann) vergraben. An beiden Seiten hat er sie verschlossen und innen im Rohr liegt eine ganz normale Türklingel (mit einem Klingeldraht mit den Klingeltrafos verbunden).
Diese unterirdischen Türklingeln lässt er immer wieder längere Zeit klingeln. Dafür hat er eine Zeitschaltung vorgeschaltet, die das über die 24 Stunden des Tages für ihn erledigt.
Der Lärm soll sich auf diese Weise an den Grenzen seines Grundstücks verbreiten und Maulwürfe schon über größere Entfernung davon überzeugen, dass er von ihnen momentan eingeschlagene Weg der falsche ist.

Scheinbar klappt das hervorragend. Er hat nirgendwo auf seinem Grün einen Maulwurfshügel. Wenn wir ihm glauben, dann hat er bereits seit Jahren seine Ruhe.

Diesen Tipp hat er übrigens von einem Berufskollegen aus Montenegro.
Das ist Europa.
Länderübergreifender Ideenaustausch bei der Maulwurfsabwehr.

Schad wär es, würde uns der Maulwurf wegen unseres Verhaltens ihm gegenüber ganz im Stich lassen.
Denn, so lautet eine Bauernregel, buddelt der Maulwurf auch im Januar herum und hinterlässt dabei überall sichtbar seine Erdhügel, dann ist kein Frost im Boden und wird es ein sehr langer Winter. Zumindest wohl bis in den Mai. Das sind ja die bei uns nicht enden wollenden Winter.
Sicher sind die Maulwürfe in der Wettervorhersage zutreffender als unsere Meteorologen. Deren Vorhersagen haben bekanntlich eine Haltbarkeitsdauer von etwa 12 Stunden, wenn sie sich nicht auf ganz grobe Regionen wie: „örtlich, strichweise, regional, hin- und wieder, Norden, Süden, östlich, westlich“ beschränken. Innerhalb dieser geografischen Angaben, gepaart mit großzügig bemessenen Zeitangaben, passiert dann irgendwo etwas von dem, was Wetter immer schon, auch ohne jede Vorhersage, so zu bieten hat.
Da hilft uns ein Maulwurf zumindest bei der Ermittlung der voraussichtlichen Winterdauer.

Ein durchaus interessanter Hinweis für all diejenigen, welche in so einem Fall mehr Heizkosten als vorgesehen zahlen müssen.
Ein guter und brauchbarer Tipp, den uns der Maulwurf nebenbei so gibt.
So ist dann zu guter Letzt auch noch bewiesen, dass der Maulwurf wirklich ein Nutztier ist und damit in jedem Fall schützenswert.
Nachsatz:
Auch hier fehlt es dem Blog an eigenem Fotomaterial für das Beitragsfoto. Wir schauen uns noch um, werden aber ggf. bei Fotolia einkaufen gehen müssen, um den Beitrag wenigstens etwas zu illustrieren. Fotolia ist auf jeden Fall bequemer und auch preiswerter, als sich den ganzen Tag mit einem Fotoapparat auf die Lauer zu legen und dann den richtigen Moment auch noch zu verschlafen.
Wer ein Foto hätte, welches wir getrost veröffentlichen dürfen, der kann uns helfen. Wir nennen gern seinen Namen.

Inzwischen muss ein Foto aus der Sammlung “Fotolia” mit der Nummer 65073261 heerhalten.

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