Haus-Heim-Hof

ab 01.01.2015 gilt Stufe 2 der 1.BImSchV

—  Beitrag von „Holzjan“  —

ACHTUNG – ACHTUNG – ACHTUNG

Betrifft speziell die, die mit Holz – Pellets – Biomasse heizen

eMAbsenderMit Ablauf des 31.12.2014 bzw. mit Beginn des 01.01.2015 tritt Stufe 2 des seit dem 22.04. 2010 gültigen Bundesimmissionsschutzgesetzes in Kraft. Dazu sind erklärende Anlagen entstanden. Die bekannteste ist die  1. Verordnung zum Bundesimmissionsschutzgesetzes (1.BImSchV). Sie regelt alles um das Errichten, die Beschaffenheit und das laufende Betreiben von sogenannten Kleinfeuerungsanlagen. Das sind Anlagen, für deren Nutzung derzeit noch keine besondere Genehmigung nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz erforderlich ist.
Gemeint sind heute damit:

  • Feuerungsanlagen für Holz und Kohle, welche die Feuerungswärmeleistung von 1 Megawatt nicht erreichen;
  • Anlagen für Stroh, Getreide und ähnliche pflanzliche Brennstoffe unter 0,1 Megawatt Feuerungswärmeleistung;
  • Öl- und Gasfeuerungsanlagen mit einer Feuerungswärmeleistung mit weniger als 20 Megawatt.


Speziell wurde die 1. Verordnung des Bundesgesetzes zum Schutz vor zu hohen Immissionen, Einwirkungen von feststofflichen und gasförmigen Verunreinigungen, Strahlenbelastungen und Lärmbelästigungen geschaffen, welche ständig und allerorten auf uns, unsere Gesundheit und die anderer lebender Organismen, auf Wasser, Luft und Boden, aber auch auf Gegenstände einwirken bzw. einwirken können. Mit Gegenständen sind nicht nur unsere Autos gemeint, sondern im weitesten Sinne auch Gebäude, Straßen und alle Gegenstände des täglichen Gebrauchs. Für denjenigen, der sich davon nicht auf der Stelle eine konkrete Vorstellung machen kann: Dazu zählen u.a. Messer, Gabel, Löffel, Handwerkzeug von Heimwerkern und Handwerkern , der täglich genutzte Kugelschreiber, die Staubsauger, alle Schulranzen, Ihre Schuhe und Kleidung, Kosmetikartikel für Haut und Haare, Stoff- und Papierservietten für den Mund, auch das Tablet, der PC und die Monitore, das nicht mehr wegzudenkende Smartphone, das modische Haargel und die Bodylotion mit 96 Stunden Wirksamkeit, der Teppichboden unter uns ebenso wie Laminat auf dem wir herumlaufen usw. ……….

Unterschied vom Immissionen und Emissionen: Die Feuerungsanlagen, um die sich die 1. BImSchV speziell kümmert, verursachen Emissionen. Das sind Ausscheidungen wie Rauch und Qualm, welcher Feinstaub und Kohlenmonoxyd beinhaltet. Die Auswirkungen der Emissionen wirken als Immission auf die Umwelt ein.
Zur Umwelt gehört auch die direkte Nachbarschaft. Aber nicht nur.
Wenn nämlich z.B. ein Frachtschiff auf hoher See, außerhalb aller staatlich festgelegten Seemeilengrenzen, Schwer- und Altöle zum Betrieb seiner Motoren und zum Schmieren der Antriebswellen seiner Schiffschrauben einsetzt und verbrennt, stößt er dabei ungenehmigte und nicht tolerierbare Emissionen aus. Diese verwirbelt, verfeinert der Seewind und trägt sie rund um den Globus bis zu uns auf die Spielplätze,  in die Kindergärten, die Krankenhäuser, die Pflegeeinrichtungen, zu den im Reichstag diskutierenden Bundestagsabgeordneten.  Irgendwo in dieser Welt entstehen durch die unglaublich hohe Anzahl dieser Frachter für uns verflixt hohe gesundheitsschädliche und teilweise sogar krebserregende Immissionen.
Ab dem 01.01.2015 gelten für das Heizen mit Festbrennstoffen schärfere Regeln.
Pauschal kann man sagen, dass sich die Maximalwerte der ausgestoßenen Staubemissionen um ein wenig mehr als 45%, die des Kohlenmonoxyds (CO) um etwas mehr als 35% reduzieren. Das ist ganz gewaltig und bedeutet das Aus für einige alte Heizungen, die mit Biomasse (z.B. Kohle, Scheitholz, Stückholz, Holzschnitzel, Holzpellets) betrieben werden und keine Prüfzertifikate des Herstellers nachweisen oder keine positive Rauchgaswerte durch eine ersatzweise durchgeführte Emissionsmessung nachweisen können. Heizungsanlagen, aber auch Kaminöfen, die am 01.01.2015 bereits im Einsatz und vom Schornsteinfeger abgenommen/ zulassen sind, haben durch diesen Nachweis weitgehenden Bestandsschutz. Es gibt aber auch viele alte Anlagen, mit denen ab diesem Stichtag nicht mehr geheizt werden darf, deren weitere Nutzung in Kürze dann gegen geltendes Recht verstößt und für deren Benutzung Bußgelder fällig werden können, wenn keine Umbauten oder Nachrüstungen erfolgt sind oder gar nicht möglich sind.

Die 1.BImSchV beinhaltet etliche Tabellen, in denen Sie nachschauen können, ob Ihr Kaminofen oder Ihr Biomasse-Heizkessel die neuen Grenzwerte einhalten muss.

Tabelle 1 zeigt die Emissionsgrenzwerte und Mindestwirkungsgrade für Einzelraumfeuerungsanlagen für feste Brennstoffe, die z.B. der von Ihnen genutzte Kaminofen  bei der sogenannten Typprüfung erfüllt hat. Der Hersteller Ihres Kaminofens kann Ihnen diese „Bescheinigung über das Erfüllen der Emissionsgrenzwerte gemäß §26 Abs.1 der 1.BImSchV für Kleinfeuerungsanlagen“  in der Regel aushändigen. Darin wird bestätigt, dass die Grenzwerte für den CO-Gehalt und für den Staubgehalt in Milligramm je Kubikmeter nicht erreicht wurden bzw. unterschritten sind. Eine insgesamt positive Bescheinigung endet in der Regel mit dem Satz, dass aufgrund des Ergebnisses der Typenprüfung der Kaminofen Model ABCXY eine uneingeschränkte Nutzungsdauer habe und weder eine Stilllegung zu befürchten, noch eine Nachrüstung mit Feinstaubfilter erforderlich ist. Die Bestätigung trägt ein Ausstellungsdatum und die Unterschrift des Herstellers. Qualitätsbewusste Hersteller stellen Ihren Kunden per Fachhändler oder Internet zusätzlich auch eine Information zur 1.BImSchV zur Verfügung, in der alle hergestellten Modelle nach Ihren handelsüblichen Bezeichnungen mit Angabe des Datums der Typenprüfung gelistet sind. Aus dieser Informationstabelle sollte dann auch hervorgehen, ob der betreffende Kaminofen bereits die 1. Stufe der 1.BImSchV erfüllt hat und nun auch unter den Grenzwerten  der 2. Stufe der 1.BImSchV bleibt. Anderenfalls sollte der Hersteller in seinem aussagefähigen Informationsübersicht angeben, wann der Kaminofen nachgerüstet bzw. außer Betrieb genommen worden sein muss. Ich habe diese Dokumente auf Anfrage von den Herstellern unserer Kaminöfen erhalten und konnte sie meinem Schornsteinfeger vorlegen.

Tabelle 2 gibt die Grenzwerte z.B. für Kaminöfen an, ab der ein Staubabscheider (evtl. Katalysator zwischen Kamin und Rauchabzugsrohr) nachgerüstet werden muss oder ein bereits vorhandener Katalysator seinen Dienst abgeleistet hat und ausgetauscht werden muss.

Tabelle 3 nennt die Übergangsfristen, bis zu deren Ablauf eine Nachrüstung bzw. Außerbetriebnahme einer Einzelraumfeuerungsanlage (Kaminofen, Herde können auch Betracht kommen, Kamineinsätze udl.) zu erfolgen hat. Wobei es aber auch dafür noch einmal Ausnahmen geben kann, wenn Ofen,  z.B. ein Kaminofen, die einzige Beheizungsmöglichkeit für eine Wohnung darstellt oder es sich um einen historischen Ofen handelt.  Was historisch ist, steht meines Wissens nach nicht in der 1. BImSchV. Die Alternative, einen alten Kaminofen abzustellen und an seiner statt eine Elektroheizung in Betrieb zu nehmen, kann man wohl ausschließen.

Die Tabelle 4 zeigt nun endlich die Grenzen, bis zu denen schädliche Abgasbestandteile aus den Schornsteinen herauskommen dürfen. Die Tabelle nennt die Grenzwerte der Stufe 1 und Stufe 2 der 1.BImSchV. Die 1.BImSchV weist Betreiber von Hackschnitzelanlagen Feuerungsanlagen für Getreide und Stroh ab Gültigkeit der Stufe 2 der 1.BImSchV auf das mögliche Erfordernis eines Staubscheiders hin.

Tabelle 5 korrespondiert zu Tabelle 3 und nennt hier die Übergangsfristen für bestehende Heizkesselanlagen. Tabelle 6 gibt die Emissionswerte an, welche von Heizkesseln an, die mit Heizöl oder sogenanntem „Stadtgas“ betrieben werden.

Einen wichtigen Hinweis des Herstellers meiner Kaminöfen sollte ich vielleicht nicht vergessen: Der Bestandsschutz bereits eingebauter und betriebener Kaminöfen, auch anderer Heizungen, die in der 1.BIMSchV genannt werden, geht auf der Stelle verloren, wenn der Kaminofen an der bis 31.12.2014 angeschlossenen Stelle des Hauses abgenommen wird, um nach dem 01.01.2015 an anderer Stelle wieder angeschlossen zu werden. Zum Beispiel wegen Umbau. Das gilt auch innerhalb ein und desselben Haushalts. Also Vorsicht ! Lasst die Kaminöfen an der Stelle, an der sie sich gerade befinden. Sonst kann es Ärger geben.

 

Nachtrag von Concierge:
Ich habe nach Rücksprache mit dem Autoren “Jan” den Link auf die 1.BImSchV verbessert (3. Satz dieses Beitrags) . Er geht nicht mehr auf eine erklärende Broschüre des “Ministerium für Immissionen und Emissionen”; er ruft nun direkt die amtliche Fassung der 1BImSchV auf.
Danke für die Hinweise von Agnes P., Julius Merk, H. Postler u. Tymoteusz.

1 KommentarSchreiben Sie Ihre Meinung

  • Interessant ist aber §5 Absatz 1 – letzter Satz der 1.BImSchV, der da lautet: “Abweichend von Satz 1 gelten bei Feuerungsanlagen, in denen ausschließlich Brennstoffe nach §3 Absatz 1 Nummer 4 in Form von Scheitholz eingesetzt werden, die Grenzwerte der Stufe 2 erst für Anlagen, die nach dem 31. Dezember 2016 errichtet werden.”

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